Der Nationale Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit (NAP) verankert die Überwindung von Obdachlosigkeit bis 2030 als Pflichtauftrag des Sozialstaats und verweist auf internationale Standards (UN‑Menschenrechtskonvention, Europäische Sozialcharta). Trotz dieses Rahmens zeigen aktuelle Zahlen – über 440 000 untergebrachte, mehr als 1 Million verdeckt wohnungslose Menschen – einen deutlichen Anstieg, während Spar‑ und Reformbestrebungen (z. B. Sanktionen im SGB II, Ausschluss junger Erwachsener aus der Jugendhilfe) die Lage weiter verschärfen. Die Diskussion auf Bundes‑ und Länderebene betont, dass Grundrecht auf Wohnraum und soziale Teilhabe nicht von der Finanzlage einzelner Kommunen abhängig gemacht werden dürfen. Doch die Realität sieht leider oft anders aus.
Vor diesem Hintergrund möchte sich die LAG Gesundheit und Soziales in zwei Sitzungen mit dem Thema Wohnungslosigkeit beschäftigen und sich dabei mit der Frage befassen, was es politisch bräuchte, um Wohnungslosigkeit tatsächlich bis zum Jahr 2030 zu beenden.
Sitzung 1 | Ländlicher Raum
Referent: Peter Brückner, Fachberatung Gefährdetenhilfe Caritas Diözesanverband Würzburg
Im ländlichen Raum sind Notunterkünfte und Beratungsstellen oft nicht bekannt oder gar nicht erst als dauerhaftes und verlässliches Angebot vorhanden. Die vorhandenen Strukturen – Sozialämter, mobile Beratungs‑ und Gesundheitsdienste sowie ehrenamtliche Initiativen – arbeiten häufig nur anlassbezogen und punktuell zusammen, wodurch Schutzlücken entstehen.
Vor dem Hintergrund der knappen Finanzen der Kommunen erscheint es verlockend, gar nicht erst ein eigenes Angebot zur Verfügung zu stellen, sondern auf die Angebote größerer Städte zu verweisen.
Wir wollen uns in der ersten Sitzung deswegen mit den gesetzlichen Grundlagen und Empfehlungen zur Unterstützung von Menschen, denen Wohnungslosigkeit droht oder die bereits wohnungslos sind, beschäftigen und uns die Situation vor allem im ländlichen Raum mit praktischen Beispielen anschauen.
Grüne Mitglieder finden die Zugangsdaten zum Termin in der grünen Wolke. Auch interessierte Nichtmitglieder sind herzlich willkommen! Schreib am besten eine kurze Mail an die Sprecher*innen unter lag-gesundheit[at]gruene-bayern.de, um die Zugangsdaten zu erhalten.