BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Bayern setzen sich für eine Landwirtschafts- und Waldpolitik ein, die Landwirtschaft und Wälder konsequent auf die Folgen der Klimakrise vorbereitet. Bayerns Landwirtschaft und Wälder sind zentrale Grundlagen unseres Lebens und Wirtschaftens.
Ihre Funktionalität gerät durch Hitze, Trockenheit, Starkregen, Stürme, Schädlinge, Wasserknappheit und steigende Waldbrandgefahr unter Druck. Die Klimakrise ist längst auf unseren Äckern und Wiesen sowie in unseren Wäldern angekommen.
Klimaanpassung muss bedeuten, die natürlichen Grundlagen unserer Produktion zu stärken: gesunde Böden, einen stabilen Wasserhaushalt, biologische Vielfalt und widerstandsfähige Ökosysteme.
Wir wollen einen lebendigen, vielfältigen und widerstandsfähigen Wald, der Holz nachhaltig liefert, Lebensräume schützt, Wasser speichert, Menschen die Natur erleben und verstehen lässt und besser gegen Dürre, Sturm, Schädlinge und Feuer gewappnet ist.
Der Landesparteitag beschließt daher die folgenden Leitlinien und Forderungen für eine zukunftsfähige Land- und Waldpolitik in Bayern:
1. Resilienz zum obersten Ziel der Landwirtschafts- und Waldpolitik machen. Förderprogramme für Landwirtschaft und Wald sollen künftig daran gemessen werden, ob sie die Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimawandel, Trockenheit, Starkregen, Sturm, Schädlingen und Waldbrand erhöhen. Resilienz bedeutet Vielfalt, Vorsorge und Anpassungsfähigkeit.
2. Wasser in der Landschaft halten – Bayern als Schwammlandschaft. Wir müssen weg von einer Landschaft, die Wasser möglichst schnell ableitet, hin zu einer Schwammlandschaft, die Wasser aufnimmt, speichert und langsam wieder abgibt. Dazu gehören renaturierte Bäche, strukturreiche Agrarlandschaften, humusreiche Böden, Hecken, Moore und Auen. Im Wald müssen Quellen, Waldbäche, Feuchtwälder und Moore integraler Bestandteil des Waldumbaus werden. Entwässerungsgräben müssen rückgebaut werden.
3. Ökolandbau fördern. Die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft kommt ohne fossilen Dünger, ohne Pestizide und ohne viele Zusatzstoffe in der Verarbeitung aus. Sie macht unsere Lebensmittelerzeugung widerstandsfähiger gegen Krisen. Bayern hat sich das Ziel gesetzt, 2030 einen Ökolandbau-Anteil von 30 Prozent an der bayerischen Landwirtschaftsfläche zu erreichen – stattdessen schrumpfte der Anteil zuletzt sogar leicht auf nur 13,4 Prozent. Wir müssen endlich Öko-Forschung, Wissenstransfer und Investitionen sicher und dauerhaft finanzieren sowie 30 % der staatlichen Ressortforschungsgelder in Öko-Forschung und Entwicklung stecken.
4. Gesunde Böden zu Wasserspeichern machen. Wer den Boden schützt, schützt die Ernte und den Wald von morgen. Humusaufbau, ein aktives Bodenleben und eine stabile Bodenstruktur verbessern die Fähigkeit, Wasser aufzunehmen und zu speichern. Landwirtschaft muss mit möglichst langanhaltender Bodenbedeckung, Zwischenfrüchten, vielfältigen Fruchtfolgen und schonender Bodenbearbeitung den Boden schützen. Im Wald sind bodenschonende Bewirtschaftung, der Schutz vor Verdichtung und der Erhalt gesunder Waldböden essenziell.
5. Vielfältige Fruchtfolgen – Leguminosen stärken. Einseitige Anbausysteme sind besonders anfällig für Krankheiten, Schädlinge und Wetterextreme. Vielfältige Fruchtfolgen reduzieren Risiken, fördern die Bodengesundheit und verringern die Abhängigkeit von Dünger und Spritzmitteln. Leguminosen binden Stickstoff aus der Luft, mindern den Einsatz mineralischer Dünger, verbessern die Bodenstruktur und tragen zur regionalen Eiweißversorgung bei. Züchtung, Beratung, Anbau, Verarbeitung und Vermarktung heimischer Proteinpflanzen müssen gestärkt werden.
6. Agroforst, Hecken und Feldgehölze als Klimainfrastruktur ausbauen. Bäume und Gehölze in der Agrarlandschaft verbessern Mikroklima und Wasserhaushalt, bremsen Erosion, reduzieren Verdunstung, spenden Schatten und schaffen Lebensräume. Agroforstsysteme liefern darüber hinaus Biomasse und Früchte und eröffnen landwirtschaftlichen Betrieben zusätzliche Einkommensmöglichkeiten. Ihr Ausbau, der Schutz bestehender Strukturen und ihre Pflege müssen honoriert werden.
7. Bewässerung effizient gestalten und Wasserverbrauch transparent machen. Wasser ist ein knappes und höchstes gesellschaftliches Gut. Wo Bewässerung notwendig ist, brauchen wir effiziente Bewässerungstechniken. Maßnahmen zur Grundwasserneubildung und zum Wasserrückhalt müssen auf den bewässernden Betrieben gestärkt werden.
8. Waldumbau schneller und wissenschaftsbasiert voranbringen. Konsequenter Klimaschutz ist die Grundvoraussetzung für den Erhalt unserer Waldökosysteme. Bayern muss seine Wälder noch viel schneller zu klimaangepassten, vielfältigen Mischwäldern umbauen. Hitze und Trockenheit setzen unseren Wäldern in bisher nicht gekanntem Ausmaß zu. Auch bislang angepasste, standortsheimische Baumarten sind den Anforderungen teilweise nicht mehr gewachsen. Wir laufen Gefahr, dass unsere Wälder ihre zahlreichen Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen auf großer Fläche nicht mehr erfüllen können. Nur mit verstärkten aktiven Klimaschutzmaßnahmen und mit einem präventiven Waldumbau, der die absehbaren klimatischen Entwicklungen bereits jetzt bei der Planung berücksichtigt, können wir den Wald dauerhaft schützen. Grundlage dafür müssen Standort, Boden, Wasserhaushalt und die erwarteten Klimaveränderungen sein. Die Förderung des Waldumbaus soll sich an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie an den Erfahrungen aus Forstberatung und Waldwirtschaft orientieren. Bereits zugesagte Personalstellen für die Beratungsförsterinnen und Beratungsförster müssen endlich mit Leben gefüllt werden.
9. Waldverjüngung sichern: Jagd am Wald ausrichten. Bayerns Wälder können nur klimaresilient werden, wenn junge Bäume natürlich nachwachsen können – möglichst ohne Zäune oder Einzelschutz. Dafür müssen die Wildbestände so reguliert werden, dass Verbiss die Entwicklung vielfältiger, standortgerechter Mischwälder nicht ausbremst. Die Forstlichen Gutachten und revierweisen Aussagen müssen verbindliche Grundlage für die Jagd auf Schalenwild sein. Ziel ist ein tragfähiges Gleichgewicht von Wald und Wild, bei dem die Zukunftsfähigkeit des Waldes Vorrang hat.
10. Ökosystemleistungen von Landwirtschaft und Wald verlässlich honorieren. Landwirtinnen und Landwirte sowie Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, die Wasser zurückhalten, Böden schützen, Kohlenstoff speichern, Biodiversität fördern, Biotopbäume, Totholz oder Erholungsfunktionen sichern, erbringen Leistungen für die gesamte Gesellschaft. Diese Leistungen müssen in der Förderpolitik deutlich und langfristig abgesichert werden. Das Waldnaturschutzprogramm ist in die alleinige Zuständigkeit der „Förster vor Ort“ der Bayerischen Forstverwaltung zu übertragen.
11. Naturwald, alte Bäume und Totholz sichern. Bayern braucht mehr alte Bäume, Biotopbäume sowie stehendes und liegendes Totholz im Wirtschaftswald. Gleichzeitig sollen Naturwaldflächen, Naturwaldreservate und weitere Bereiche natürlicher Waldentwicklung gesichert, ausgebaut und vernetzt werden. Sie sind wichtige Referenzräume für Biodiversität, Forschung und Klimaanpassung.
12. Waldbrandschutz als zentrale Aufgabe der Klimaanpassung verankern. Waldbrände waren in Bayern lange vergleichsweise selten. Doch Hitze, Trockenheit, Blitzschläge und Extremwetter erhöhen das Risiko; die jüngsten großen Brände in Bayern zeigen, dass auch bei uns schwer beherrschbare Lagen entstehen können. Waldbrandvorsorge schützt Menschen, Einsatzkräfte, Gemeinden, Infrastruktur und unsere Wälder. Sie muss deshalb verbindlicher, sehr viel besser ausgestattet und besser ressortübergreifend organisiert werden, z. B. durch gemeinsames Ausbildungs- und Ausstattungskonzept „Bergwaldbrand Bayern“ für Feuerwehr, Bergwacht, Polizei, Forstverwaltung, Katastrophenschutz und Kommunen oder verbindliche Brandvorsorgepläne für besonders gefährdete Waldgebiete.
13. Den Staatswald zum Zukunftslabor machen. Die Bayerischen Staatsforsten sollen Vorreiter bei klimaresilientem Waldumbau, Biodiversität, natürlicher Verjüngung, Bodenschutz, Wasserrückhalt, nachhaltiger Holzverwendung und Waldbrandschutz werden. Der Staatswald muss zeigen, wie Ökologie, Gemeinwohl und regionale Wertschöpfung langfristig zusammen funktionieren.
Beschlossen auf der Landesdelegiertenkonferenz 2026 in Landshut.